Montag, 14. April 2008

Glaube an Gottes Wort in russischer Kriegsgefangenschaft

Es ist interessant, wie mancher deutscher Kriegsgefangene in Rußland nach dem Zweiten Weltkrieg zum Glauben an die Heilige Schrift kam. Da fragt man sich: Warum erst warten, bis das die größte Not und Bedrängnis kommt? Warum nicht direkt in "Friedenszeiten" Jesus Christus Seinen rechtmäßigen Platz im Leben einräumen? Obwohl wir zwar nicht in direkter Kriegsgefangenschaft leben, so sind viele heute doch nicht recht frei und leben in Gefangenschaft und Knechtschaft. Die Gefangenschaft der Sünde. Die Gefangenschaft des Materialismus. Die Gefangenschaft so manch einer auswegslosen Situation oder eines unliebsamen aber nötigen Arbeitsverhältnisses. Die Gefangenschaft ungesunder Lebensgewohnheiten. Die Gefangenschaft eines Darlehens. Völlige Freiheit ist ein ziemlich relativer Begriff. Was für Christen freie Religionsausübung oder Glaubensfreiheit ist, das sieht einem Nichtgläubigen wie Zwang, Kontrolle oder Parallelgesellschaft aus. Wenn ein Nichtgläubiger gemäß seiner "freien Selbstverwirklichung" seine ganze Freizeit einem Vergnügen aufopfert, dann spricht der Christ von einer Sünde oder einem Laster. In was für einer Gefangenschaft wir uns also befinden, Gottes Wort ist stets bereit auch in diese Not hineinezusprechen:

Ein katholischer Kriegsgefangener berichtet, wie ihm während russischer Gefangenschaft der Rosenkranz sowie eine geweihte Medaille genommen wurden. Er berichtet, wie andere Gefangene die Hoffnung aufgegeben haben und mit Gott haderten. Doch dieser Gefangene berichtet dann, wie ihm ein anderer Gefangener begegnet, dem man die Bibel – altes und neues Testament – gelassem hatte. Dieser leihte ihm dann die Bibel aus und so konnte er sich tagelang in die Bibel vertiefen. Er fand Trost und Frieden in den heiligen Worten. Er erkannte Gottes Liebe, Güte und Barmherzigkeit in dieser Fügung. Mit anderen christlichen Gleichgesinnten entstand dann im sibirischen Gefangenenlager eine Gebetsgemeinschaft. Sie bestand aus Angehörigen verschiedener Konfessionen. Sie beteten für die Heimat und die Lieben zu Hause, für die Beendigung des Krieges und die baldige Heimkehr. Sie trafen sich täglich in einer Ecke des Lagers und hielten Gottesdienst. Es wurde aus der Bibel gelesen und das Vaterunser gebetet. Täglich abwechselnd beter jeder ein Gebet seiner Konfession. Der katholische Kriegsgefangene richtete sein Gebet an die immerwährende Hilfe Marias. In der Bedrängnis der Gefangenschaft gab es keine theologischen Streitgespräche und Wortgezänke. Sie waren alle Brüder in Christi und sprachen sich gegenseitig Mut und Trost zu und halfen einander. Zu Weihnachten las dieser Kriegsgefangene in der Bibel von der Geburt Christi und sie sangen gemeinsam „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Ansonsten war ihr Herz und ihre Seele zerrissen vor Heimweh und sie hungerten und frierten. Oft wurden Heimat- und Weihnachtslieder gesungen.
Auch ein junger katholischer Priester aus Münster berichtet aus russischer Gefangenschaft. Endlose Märsche barfuß durch die Weiten Rußlands – ständig umgeben von Totkranken und Sterbenden. Dort vertraute ihm dann ein sterbender Pfarrer eine Lutherbibel an. Dieses Neue Testament spendete ihm und vielen Mitgefangenen Trost. Aber eigentlich durfte er dieses kostbare Buch gar nicht mit sich führen. Er war in ständiger Gefahr, entdeckt zu werden. Es war ausgerechnet ein Jude, der ihm Gefangenenlager Aufsicht hatte, dem er die Bibel übergab und der dann diese Bibel für ihn versteckte. Nach ca. 3 Wochen suchte ihn der Jude wieder auf und gab ihm die Bibel zurück. So gab es auch inmitten der Härte der Gefangenschaft immer wieder Zeichen von Menschlichkeit. Beim Steineschleppen inmitten eines Gewittersturms brach ein deutscher Gefangener unter der Last der Steine zusammen. Er war völlig geschwächt und blutüberströmt. In diesem Moment sah er eine russische Frau vorbeigehen, die ihn mitleidvoll ansah. Der Kriegsgefangene fühlte sich an seine Mutter erinnert. Die russische Frau gab ihm dann einen halben Laib Brot. Der deutsche Kriegsgefangene hatte darüber hinaus auch eine Mutter daheim, die stets für ihn betete und ihn in die Heimat zog. Dies ist wohl auch Gebetserhörung.

Selbst der STERN berichtet Interessantes über die Rolle des Gebets bei der Befreiung von Kriegsgefangenen. Im Tausch gegen diplomatische Beziehungen hatte Konrad Adenauer 1955 die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen in der UdSSR erreicht. Die vorhergehenden Verhandlungen begannen freundlich, doch dann wich die Freundlichkeit bald handfesten Diskussionen. Beide Seiten drängten intern auf den Abbruch der Gespräche. Doch Adenauer blieb hart. Stundenlang kniete der Bundeskanzler im Gebet versunken in der einzigen katholischen Kirche Moskaus und wollte nicht abfliegen. Am 12. September brachten er und der SPD-Abgeordnete Carlo Schmid, einer der Väter des Grundgesetzes, erneut die Bitte nach Freilassung der Gefangenen vor. Stundenlang erinnerten die Deutschen die heimatverbundenen Russen an das Los von Verschleppten, zehn Jahre nach Kriegsende. Der Intellektuelle Schmid beeindruckte mit seiner Kenntnis der russischen Literatur, die Atmosphäre wurde wieder wärmer."Alle! Alle!"Schließlich schlug Bulganin bei einem Empfang im Kreml einen Briefwechsel vor. Darin sollte Bonn die Aufnahme diplomatischer Beziehungen festschreiben, Moskau sich im Gegenzug zur Freilassung der Deutschen verpflichten. Nur die Kriegsgefangenen oder auch andere Deutsche, "die an der Ausreise verhindert sind", fragten die Deutschen in Hinblick auf die Verschleppten. "Wsjo! Wsjo!" ("Alle! Alle!"), antwortete Bulganin leutselig. Bis heute ist umstritten, ob er in der gelockerten Atmosphäre mehr versprach als er wollte. Auch wenn der Verbleib Tausender Deutscher in der Sowjetunion bis heute nicht geklärt ist, gilt die Moskaureise als einer der größten Triumphe Adenauers in seinen 14 Jahren als Bundeskanzler. Für die Russen waren die Kriegsgefangenen bloßes Tauschobjekt.

Neben dem Gebet gab es aber auch ein praktisches Christentum. In dem Buch "Holt Hartmann vom Himmel" wird von einem Münchener Bischof Häckel berichtet, der einen Hilfsdienst für die deutschen Kriegsgefangenen betrieb. Er fragte die Angehörigen der Gefangenen, was sie dort in Rußland brauchten. Durch was für Wege auch immer, gelang es, Pakete an die Gefangenen zu senden trotz der rigorosen Aufsicht des NKVD (KGB-Vorgänger). Die Paketinhalte wurden von den Kriegsgefangenen benutzt, um mit der russischen Dorfbevölkerung z. B. gegen Lebensmittel umzutauschen. Bischof Häckel informierte in einem Rundbrief über die Lagerbedingungen und die Abwicklung der Paketsendungen.

Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in aller Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. Denn wie die Leiden des Christus sich reichlich über uns ergießen, so fließt auch durch Christus reichlich unser Trost. 2. Kor. 1:6,7.

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